Wasserwiki
Ob Sickermulde, Hochbehälter oder Kleinkläranlage – die Wasserwirtschaft ist voller Fachbegriffe, die im Alltag selten erklärt werden. Hier finden Sie die wichtigsten Begriffe aus meinem Tätigkeitsbereich kurz und verständlich zusammengefasst.
Oberflächenentwässerung
Sickermulde
Eine Sickermulde dient der großflächigen, oberirdischen Einbringung von Regenwasser in den Untergrund. Es handelt sich um ein flaches bewachsenes Erdbecken mit durchlässiger Sohle, welches bei Regenereignissen beaufschlagt wird.
Rohrrigolenversickerung
Die Rohrrigolenversickerung ist ein unterirdisches Verfahren zur Regenwasserbewirtschaftung, bei dem ein perforiertes Rohr in einem grobkörnigen Kies- oder Schotterbett liegt, um Niederschlagswasser zwischenzuspeichern und kontrolliert und flächenhaft an den Boden abzugeben. Sie dient als unterirdischer Pufferspeicher, um die Grundwasserneubildung zu fördern.
Sickerschacht
Ein Sickerschacht ist ein betoniertes Bauwerk das die anfallenden Oberflächenwässer punktförmig in den Untergrund leitet.
Technischer Filter
Ein technischer Filter ist ein spezielles Filtersubstrat zur Reinigung von verunreinigtem Niederschlagswasser. Das Substrat findet unter anderem in Sickerschächten und Gewässerschutzanlagen Anwendung.
Normen & Regelwerke
ÖNORM B 2506-1 I ÖNORM B 2506-2 I ÖNORM B 2506-3 I ÖWAV Regelblatt 45
Trinkwasserversorgung
Trinkwasser
"Trinkwasser ist Wasser, das in nativem Zustand oder nach Aufbereitung geeignet ist, vom Menschen ohne Gefährdung seiner Gesundheit verzehrt zu werden, und das geruchlich, geschmacklich und dem Aussehen nach einwandfrei ist. Grundsätzlich ist für den menschlichen Verzehr nativ einwandfreies Wasser einem aufbereiteten Wasser vorzuziehen."
Zitat Österreichisches Lebensmittelbuch
Trinkwasserquelle
Eine Quelle ist eine natürliche Austrittstelle von Wasser. Eine Quellfassung ist somit ein Bauwerk, das Wasser sammelt und vor Verunreinigungen schützt. Die Umgebung um die Quelle bedarf besonderen Schutz.
Trinkwasseraufbereitung
Trinkwasseraufbereitung bezeichnet die gezielte Behandlung von Rohwasser, um es den gesetzlich vorgeschriebenen Trinkwasserstandards anzupassen. Dabei kommen je nach Ausgangsqualität physikalische, chemische und biologische Verfahren zum Einsatz – etwa Filtration, Enthärtung oder Desinfektion – mit dem Ziel, Verunreinigungen zuverlässig zu entfernen und die Genusstauglichkeit des Wassers sicherzustellen.
Rohrbruchsicherung
Eine Rohrbruchsicherung ist eine Schutzarmatur, die bei einem plötzlichen, unkontrollierten Wasseraustritt (wie einem Rohrbruch) den Durchfluss automatisch stoppt und somit ein unkontrolliertes Auslaufen des Hochbehälters verhindert.
Hochbehälter
Ein Hochbehälter ist ein Wasserspeicher in erhöhter Lage, der Trinkwasser speichert und durch die Schwerkraft in das Netz einspeist. Als Materialien werden Stahlbeton, Edelstahl und GFK verwendet. Die richtige Auslegung des Hochbehälters ist sowohl für die Trinkwasserversorgung als auch für den Löschwasserfall essentiell.
Normen & Regelwerke
ÖNORM B 2601 I ÖNORM B 2602 I ÖNORM B 2538 I ÖVGW W 103 I ÖVGW W 107
Abwasserentsorgung
SBR - Kleinkläranlagen
Eine SBR-Kleinkläranlage (Sequencing Batch Reactor) ist eine vollbiologische Anlage zur Reinigung von Abwasser auf einzelnen Grundstücken. Sie arbeitet zeitlich nacheinander in Zyklen und nutzt eine biologische Reinigung sowie eine Nachklärung im selben Becken. Die Zyklen Befüllung, Belüftung, Absetzen und Klarwasserabzug laufen nacheinander in einem Becken ab. Das Verfahren basiert auf dem Belebtschlammprinzip und ermöglicht eine platzsparende Bauweise.
Pflanzenkläranlage
Eine Pflanzenkläranlage ist eine natur nahe Anlage zur Abwasserreinigung, die aus einer Vorklärung und einem bepflanzten Bodenfilter besteht. Die Reinigung erfolgt durch das Zusammenwirken von Mikroorganismen, Bodenfilter, Schilfpflanzen und physikalischen Filtrationsprozessen
Eigenüberwachung
Die Eigenüberwachung verpflichtet Betreiber einer Kleinkläranlage, die Funktionsfähigkeit und Reinigungsleistung ihrer Anlage regelmäßig selbst zu kontrollieren und zu dokumentieren – etwa durch Sichtkontrollen, Wartungsprotokolle oder Messungen. Sie ist gesetzlich vorgeschrieben, wird in der Praxis jedoch häufig vernachlässigt, was im Schadensfall oder bei Behördenkontrollen zu Problemen führen kann.
Direkt,- und Indirekteinleitung
Bei der Direkteinleitung wird gereinigtes Abwasser unmittelbar in ein Gewässer, den sogenannten Vorfluter, eingeleitet.
Bei der Indirekteinleitung erfolgt die Einleitung zunächst in die öffentliche Kanalisation, von wo aus das Abwasser einer zentralen Kläranalge zugeführt wird. Welche Grenzwerte und Frachten bei der Indirekteinleitung eingehalten werden müssen, hängt von der Zusammensetzung des Abwassers ab und von der Größe der Kläranlage – siehe Indirekteinleiterverordnung
Normen & Regelwerke
ÖNORM B 2502-1 I ÖNORM B 2505 I Indirekteinleiterverordnung
Allgemeine Begriffe
Wasserwirtschaft
Die Wasserwirtschaft umfasst alle planerischen, technischen und rechtlichen Maßnahmen zur nachhaltigen Nutzung, Bewirtschaftung und zum Schutz von Wasserressourcen. Dazu zählen unter anderem die Trinkwasserversorgung, die Abwasserentsorgung, der Hochwasserschutz sowie die Erhaltung der Gewässerqualität.
Grundwasser
Wasserverbrauch
Grundwasser ist unterirdisches Wasser, das die Hohlräume von Boden und Gestein vollständig ausfüllt und sich unter dem Einfluss der Schwerkraft bewegt. Es bildet sich hauptsächlich durch versickerndes Niederschlagswasser und stellt eine zentrale Ressource für die Trinkwasserversorgung dar.
Der Wasserverbrauch bezeichnet die Menge an Wasser, die von privaten Haushalten, der Industrie oder der Landwirtschaft für einen bestimmten Zweck entnommen und genutzt wird. Er wird meist in Litern pro Person und Tag oder in Kubikmetern pro Jahr angegeben und dient als wichtige Planungsgrundlage für die Wasserversorgung. Der durchschnittliche Verbrauch liegt bei 130 l/Person und Tag.
Virtuelles Wasser
Virtuelles Wasser bezeichnet die Wassermenge, die bei der Herstellung eines Produkts direkt oder indirekt verbraucht wird – etwa bei Lebensmitteln, Kleidung oder Industriegütern. Über den internationalen Handel mit solchen Produkten wird somit auch indirekt Wasser zwischen Regionen und Ländern verlagert. Der durchschnittliche Verbrauch liegt bei 4700 l/Person und Tag.
